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Das Jahr 1945

Schlagzeilen des Jahres 1945

Die britische Luftwaffe fliegt schwere Bombenangriffe auf Dortmund und Duisburg; in den folgenden Wochen werden die Fliegerangriffe auf Ruhrgebietsstädte verstärkt.

Mit dem Vorstoß britischer Truppen über den Rhein bei Wesel beginnt der Kampf um den sog. Ruhrkessel.

Der englische Premierminister Winston Churchill besucht die britischen Truppen bei Wesel und setzt auf das östliche Rheinufer über.

Die Gestapo erschießt im Dortmunder Rombergpark 42 Menschen.

Britische und amerikanische Truppenverbände schließen eine ringförmige Frontlinie um das Ruhrgebiet, den sog. Ruhrkessel.

Amerikanische Truppenverbände dringen auf Essener Stadtgebiet vor, am 12. 4. besetzen sie Duisburg und einen Tag später Dortmund.

In Duisburg wird auf einer ersten Sitzung des alliierten Militärrates ein Katalog für die Behebung von Kriegsschäden aufgestellt.

Auf einer der ersten Betriebsrätekonferenzen nach dem Zweiten Weltkrieg wird in Gelsenkirchen-Buer die Gründung einer Bergarbeiter-Einheitsgewerkschaft beschlossen.

Die alliierten Militärbehörden beginnen mit der Reorganisation der städtischen Verwaltungen.

In den Städten des Ruhrgebiets sind 96 97 % des vor dem Krieg vorhandenen Wohnraums beschädigt oder zerstört.

Vertreter des deutschen Oberkommandos unterzeichnen in Reims (Frankreich) die bedingungslose Kapitulation.

In Dortmund erscheint die von der 12. amerikanischen Heeresgruppe herausgegebene »Ruhr Zeitung«.

Die ersten Schulen in den Städten des Ruhrgebiets werden wieder geöffnet.

Die britische Besatzungsmacht verhaftet 44 Mitglieder des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats.

Die britische Militärregierung führt in den Revierstädten die Schulspeisung ein.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Zahl der Opfer im Ruhrgebiet kaum feststellbar; allein bei Bombenangriffen sind über 35 000 Menschen ums Leben gekommen.

KZ Flossenbürg: Wilhelm Canaris (*1. 1. 1887, Dortmund-Aplerbeck), Admiral.

Alliierte überqueren Rhein bei Wesel

Unter dem Oberkommando des britischen Feldmarschalls Bernard Law Montgomery überschreiten Truppen der 1. kanadischen, der 2. britischen und der 9. US-Armee im Schutz alliierten Artilleriefeuers den Rhein bei Wesel und Rheinberg in west-östlicher Richtung. Sie werden unterstützt durch britische und amerikanische Fallschirmjäger, die östlich des Rheins im Diersfordter Wald, nordwestlich von Wesel, landen. Die alliierten Truppen stoßen von Wesel aus nach Osten über Dorsten und Lippstadt vor, während amerikanische Truppen vom Rheinübergang bei Remagen aus das Ruhrgebiet von Süden her umschließen.

Anfang März hatte sich die deutsche Heeresgruppe B vor den starken Verbänden der Alliierten auf das rechte Rheinufer zurückgezogen. Da die deutsche Führung den Befehl zum Rückzug verzögerte, erreichten die Amerikaner bei Remagen eher das Westufer als das deutsche Heer. Die deutschen Generäle vermuteten, dass die Alliierten einen zweiten Rheinübergang nördlich der Ruhrmündung planten. Zur Irreführung der deutschen Truppen veranstalteten die Amerikaner bei Uerdingen erfolgreiche Täuschungsmanöver mit aufblasbaren Gummipanzern und -kanonen. In den Tagen vor der Rheinüberquerung wurden zudem alle Truppenbewegungen auf dem westlichen Ufer durch eine künstliche Nebelwand getarnt.

Ruhrkessel bei Lippstadt geschlossen

Alliierte Truppen, die von Remagen aus durch das Sieger- und Sauerland das Ruhrgebiet von Süden her umschließen, treffen bei Lippstadt mit Teilen der 2. Britischen und der 9. US-Armee zusammen, die von Wesel aus die nördliche Frontlinie über Dorsten und Hamm bis Lippstadt halten. Damit ist der Ruhrkessel geschlossen. In den nächsten Tagen stoßen alliierte Truppen von Norden und Süden aus ins Ruhrgebiet vor. Am 17. April kapitulieren die letzten deutschen Truppen bei Düsseldorf.

Mehr als 325 000 deutsche Soldaten mit 24 Generälen sind im Ruhrkessel eingeschlossen. Die meisten Wehrmachtssoldaten ergeben sich erleichtert und ohne Widerstand zu leisten. Einzelne SS-Gruppen versuchen noch einige Tage lang, den alliierten Vormarsch aufzuhalten.

Gestapo-Massaker im Rombergpark

Im Dortmunder Rombergpark werden 42 Menschen von der Gestapo erschossen. Zwischen dem 7. März und dem 12. April werden bei zehn solcher Massenhinrichtungen etwa 300 Menschen ohne Gerichtsverfahren umgebracht.

Die meisten Erschießungen finden im Rombergpark statt, weitere in der Bittermark und auf dem Eisenbahngelände in Horde. Zu den Opfern der Exekutionen zählen Mitglieder des Widerstands, aber auch sowjetische Zwangsarbeiter und Angehörige anderer Nationen.

Mit den Gefangenenerschießungen wollen die Nationalsozialisten ein Aufflackern des Widerstands angesichts des Näherrückens der Front verhindern und zudem solche Personen beseitigen, die nach Kriegsende Zeugen des Terrors sein könnten.

Churchill besucht Truppen bei Wesel

Der britische Premierminister Winston Churchill setzt in einem Landungsboot der britischen Truppen südlich von Wesel auf das östliche Rheinufer über. Am Vortag war er von London zum Hauptquartier des britischen Feldmarschalls Bernard Law Montgomery bei Venlo geflogen, um das Luftlandeunternehmen der britischen und amerikanischen Einheiten ( 24. 3. 1945) zu beobachten.

Churchill hatte darauf bestanden, den historischen Augenblick der Rheinüberquerung an Ort und Stelle mitzuerleben, obwohl Feldmarschall Montgomery und der amerikanische General Dwight David Eisenhower dies zunächst als zu gefährlich abgelehnt hatten. Nach seinem Besuch auf dem Ostufer gratuliert der britische Premierminister begeistert General Eisenhower: »Mein lieber General Eisenhower, die Deutschen sind geschlagen. Jetzt haben wir sie, jetzt sind sie fertig!«

Am Vortag hatte Churchill von einem Aussichtpunkt südlich von Xanten die Landung britischer Fallschirmjäger im Diersfordter Wald nahe Wesel beobachtet. Die Luftlandeeinheiten hatten die Aufgabe, die Landtruppen bei der Rheinüberquerung zu unterstützen. Gegen zehn Uhr vormittags sprangen mehr als 3800 britische Fallschirmjäger aus etwa 350 m Höhe über dem östlichen Rheinufer ab.

Die deutsche Flugabwehr war überrascht worden und reagierte mit Verspätung. Dennoch gelang es der Flak (= Flugabwehrkanonen), etwa 40 der 400 eingesetzten Flugzeuge zu treffen. Zahlreiche Fallschirmjäger, die in der Luft ein gutes Ziel für deutsche Scharfschützen abgaben, wurden erschossen.

Den Fallschirmjägern folgten Lastensegler, die insgesamt 285 Jeeps und Lastwagen sowie 66 Kanonen am rechten Rheinufer absetzten. Bei diesem größten Luftlandeunternehmen der Geschichte insgesamt landen 20 707 alliierte Soldaten wurden 347 britische Piloten und Fallschirmjäger getötet, 731 Soldaten wurden bei dem Unternehmen verletzt.

Einmarsch der Amerikaner bedeutet Ende des Krieges

Das Ende des Krieges ist zum Greifen nahe: In der Nacht zum 7. April dringen die ersten amerikanischen Truppenverbände auf Essener Stadtgebiet vor. Die deutschen Einheiten leisten nur noch schwachen Widerstand; zwei Tage später räumen sie die Stadt.

Am 10. April erreichen die US-Soldaten die Essener Innenstadt. Auf ihrem Weg befreien sie die noch in Lagern internierten Zwangsarbeiter, die ihren Rachegefühlen freien Lauf lassen und Geschäfte plündern.

Ein Augenzeuge schildert die Atmosphäre am 11. April: »Die gewohnte Ordnung ist verschwunden. Zusammenhanglos erlebt man Trümmer, Rauch, unverständliche Stimmen. Leute stehen untätig in Gruppen herum, klettern über sinnlos gewordene Panzersperren, stehlen abhängenden Leitungsdraht ... Reihen von grauen, festgefügten Panzer- und Lastwagen mit dem großen weißen Stern der Alliierten kommen vorbei, halten an, fragen nach dem Weg, fahren ruhig weiter, unbehelligt und ohne jemanden zu behelligen.« Als letzte Revierstadt wird am 13. April Dortmund von amerikanischen Truppen besetzt.

Alliierte Regierung kontrolliert Revier

In Reims, dem Hauptquartier des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte in Europa, US-General Dwight D. Eisenhower, unterzeichnen Vertreter des deutschen Oberkommandos die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte. Einen Tag später wird die Unterzeichnung im sowjetischen Hauptquartier in Berlin wiederholt. Schon einen Monat vor der Unterzeichnung war das Ruhrgebiet von alliierten Truppen eingenommen und die großen Städte den amerikanischen Streitkräften übergeben worden ( 7. 4. 1945). So werden Essen und Bochum seit 10. April, Duisburg seit dem 12. April und Dortmund seit dem 13. April von US-Truppenverbänden kontrolliert.

Die amerikanischen Besatzer ernennen zunächst neue Bürgermeister in den Revierstädten ( 16. 4. 1945). Gleichzeitig werden die Nationalsozialisten aus den Verwaltungen entfernt und in Haft genommen. Nach der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen übernehmen die Briten u. a. das Ruhrgebiet. Die Aufgabe der britischen Militärregierung ist es, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Rückkehr zu normalen Verhältnissen einzuleiten, indem z. B. die Versorgungs- und Verkehrseinrichtungen wieder hergerichtet werden.

Stadtverwaltungen in alliierten Händen

Die alliierten Militärbehörden beginnen mit der Reorganisation der Stadtverwaltungen. In verschiedenen Städten, so in Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen, werden kommissarische Oberbürgermeister ernannt und ein kollegiales Leitungsgremium für die verschiedenen Bereiche der Verwaltung eingesetzt. Die neue Administration bleibt aber auf allen Gebieten an die Weisungen der Besatzungsmächte gebunden.

Nachdem die Städte von amerikanischen Truppen besetzt worden waren ( 7. 4. 1945), ging die zivile Kommandogewalt im Ruhrgebiet bald auf die britischen Militärs über. Die Grenzen der Besatzungszonen waren bereits im Februar 1945 auf der Konferenz der Alliierten in Jalta festgelegt worden.

In den ersten Monaten sind die Beziehungen zwischen englischen Offizieren und deutschen Beamten von einem deutlichen Sieger-Besiegte-Verhältnis geprägt, die Anweisungen sind in knappem Befehlston gehalten. Im Alltag der gemeinsamen Problembewältigung findet man aber zusehends zu kooperativen Formen der Zusammenarbeit.

Zahl der Kriegs- und NS-Opfer nicht mehr feststellbar

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sind auch im Ruhrgebiet zahllose Opfer zu beklagen. An den Fronten des Kriegs waren 1 911 300 Soldaten der deutschen Wehrmacht gefallen, von denen rund 15 500 aus Dortmund, 12 300 aus Duisburg, 4800 aus Oberhausen und 2400 aus Herne stammen. Eine ähnlich hohe Zahl Wehrmachtsangehöriger gilt als verschollen oder befindet sich noch in Kriegsgefangenschaft.

Der Bombenkrieg, der sich vor allem gegen die großen Industriestädte des Ruhrgebiets richtete, hatte auch unter der Zivilbevölkerung große Opfer gefordert. So kamen in den Reviermetropolen rund 35 000 Menschen bei den Luftangriffen alliierter Bombergeschwader ums Leben; eine noch viel größere Zahl wurde verletzt. Viele Städter, die mit dem Beginn der Bombardements in weniger bedrohte Regionen des Deutschen Reichs geflohen waren, sind verschollen, und die Zahl der unter Trümmern verschütteten Menschen ist nicht zu ermitteln.

Auch das nationalsozialistische Regime forderte eine Vielzahl von Opfern in den Städten des Reviers. Ihre genaue Zahl lässt sich nach dem Ende der NS-Herrschaft nicht mehr feststellen. Juden, Christen, Zigeuner, politisch Andersdenkende, Homosexuelle und andere dem Regime missliebige Personen waren häufig in Nacht-und-Nebel-Aktionen verschleppt, gefoltert und ermordet worden, ohne dass darüber Buch geführt worden wäre. Vorhandene Unterlagen über Hinrichtungen und Ermordungen waren oft von den nationalsozialistischen Amtsträgern beim Einmarsch der alliierten Truppen vernichtet worden.

Nicht zu rekonstruieren ist die Zahl von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, die unter unmenschlichen Bedingungen in Revierunternehmen eingesetzt wurden ( Ende 1943), wobei viele den Tod fanden.

Schätzungen zufolge fielen etwa 2650 Essener dem Nazi-Terror zum Opfer, wovon etwa 2500 jüdischer Herkunft waren, doch sind diese Angaben ähnlich ungenau wie die Zahlen aus den anderen Revierstädten.

Ruhrgebietsbewohner überleben in Trümmern

Auf einer ersten Sitzung des alliierten Militärrates in Duisburg, an der auch Vertreter von Industrie- und städtischen Versorgungsbetrieben teilnehmen, wird ein Dringlichkeitskatalog für die Behebung von Kriegsschäden in der Ruhrregion aufgestellt.

Neben einer Bestandsaufnahme der Zerstörungen gelingt den Beteiligten die Einigung auf ein Bündel von Maßnahmen, mit deren Hilfe der Bevölkerung in angemessener Zeit wieder ein geregeltes Alltagsleben ermöglicht werden soll.

Der durch die Kriegsauswirkungen verursachte Nahrungsmittelmangel, das Fehlen ausreichender Kleidung, Wohnungen und öffentlicher Transportmittel überfordert die Versorgungsstellen der Großstädte selbst bei allergrößten Bemühungen. Unklare oder sich widersprechende Auflagen und Richtlinien der alliierten Militärregierung behindern die Behörden zusätzlich in ihren Anstrengungen, den Versorgungsmängeln abzuhelfen. Die Bürger der Ruhrgebietsstädte sind deshalb zur Selbsthilfe aufgerufen.

In den noch verbliebenen Wohnungen richten sich die Menschen auf engstem Raum ein. Bis zu zwei Erwachsene und sechs Kinder leben auf einer Wohnfläche von wenig mehr als zwölf m2. Die Räume sind durch die zerstörten Dächer den Unbilden der Witterung preisgegeben; Pappkartons und zertrümmerte Dachziegel schaffen hier erste Abhilfe. Selbst Keller und Erdlöcher sowie Bunker werden zu notdürftigen Behausungen umfunktioniert.

Darüber hinaus mangelt es meist an jeglichem Mobiliar: Betten sind reiner Luxus, wer einen Ofen besitzt, kann den nötigen Brennstoff nur selten herbeischaffen. In vielen Städten versuchen »Altmöbelstellen« mit Gegenständen, die man aus den Trümmern geborgen hat, durch Leihgaben die Not etwas zu lindern. Der völlige Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung zu Kriegsende veranlasst viele Menschen, zwischen den Trümmerhaufen auf jeder denkbaren Freifläche Gemüse anzubauen. Oftmals wachsen mitten in den Mauern Kohl, Kartoffeln und Tabakspflanzen. Im Juni des Jahres werden die Flüsse Rhein und Ruhr für den allgemeinen Fischfang freigegeben. Aber auch diese Maßnahme kann die Ernährungslage nicht wesentlich verbessern.

Zeitung erfüllt Informationsbedürfnis

in den Städten des Ruhrgebiets erscheint die erste Ausgabe der von den Amerikanern in Essen herausgegebenen »Ruhr-Zeitung«. Das bis zum 6. Mai 1946 wöchentlich erscheinende Blatt wird am 10. Juli 1945 von der britischen Besatzungsbehörde übernommen. Die mit vier Lokalausgaben in einer Gesamtauflage von 440 000 Stück erscheinende Zeitung wird in der Druckerei von Lambert Lensing in Dortmund ( 1. 3. 1949) hergestellt. Überall darben die Menschen nicht nur nach Brot und den anderen Mitteln zur physischen Existenzsicherung, sondern auch nach Informationen. Die repressive Nachrichtenpolitik der Nationalsozialisten hat ein großes Informationsvakuum hinterlassen. Zudem suchen viele nach Grundlagen für neue Werte, mit denen sie ihre seelische »Stunde Null« überwinden können.

Die »Ruhr-Zeitung« ist für die alliierten Besatzungsmächte aber auch ein wichtiges Medium, um die betroffenen Bürger über ihre Politik in Kenntnis zu setzen. Die Zeitung ergänzt die in den verschiedenen Städten jeweils bald nach Übernahme der Regierungsgewalt herausgegebenen offiziellen Bekanntmachungen, in denen die amtlichen Verlautbarungen sämtlicher militärischer und ziviler Dienst- und Verwaltungsstellen veröffentlicht werden. Die Themen in der ersten Ausgabe der »Ruhr-Zeitung« sind ganz von der existentiellen Notsituation der Nachkriegszeit geprägt. Ein Artikel widmet sich der kritischen Ernährungslage und berichtet von dem geplanten Neuaufbau eines Rationierungssystems für Lebensmittel.

Schulen müssen von vorn anfangen

In den Städten des Ruhrgebiets beginnt die Wiedereröffnung der zum größten Teil seit 1943 geschlossenen Schulen. Mancherorts, wie in Duisburg und Gladbeck, dauert es aber noch bis Oktober, bevor der Unterrichtsbetrieb aufgenommen wird.

Der schulische Neubeginn muss mit zahlreichen Schwierigkeiten fertig werden: Es gibt kaum ein Gebäude, das nicht zerstört oder zweckentfremdet wurde und wird, z. B. als Lager für Zwangsarbeiter oder zur Unterbringung ausgebombter städtischer Dienststellen sowie von Einheiten der Polizei oder der Wehrmacht. Jetzt werden stehengebliebene Schulen als Lazarette oder als Übergangswohnungen genutzt.

Die schulpflichtigen Kinder waren im späteren Verlauf des Krieges evakuiert worden; in Essen machten sie ein Drittel der Bevölkerung aus, die 1943/44 die Stadt verließ.

In Herne begann schon Ende Mai 1945 die Erfassung aller schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen.

An allen Orten fehlt es an geeigneten, d. h. nicht nationalsozialistisch belasteten Lehrkräften, mit denen die von den Alliierten beabsichtigte demokratische Umerziehung des deutschen Volkes und seiner Jugend verwirklicht werden könnte.

Betriebsräte fordern Einheitsverband

Fünf Tage nach der Besetzung von Gelsenkirchen durch Einheiten der 9. US-Armee findet in Gelsenkirchen-Buer eine erste Betriebsrätekonferenz mit Vertretern von 120 Zechen und drei chemischen Betrieben aus der näheren Umgebung statt. Alle Anwesenden, darunter Anhänger der früheren freien und christlichen Gewerkschaften, sprechen sich für den Aufbau einer Einheitsgewerkschaft aus, in der jede Branche mit einem Verband vertreten sein soll.

Die Delegierten beschließen die Wahl von antifaschistischen Betriebsräten. Auf einer Konferenz am 29. April sind 56 Zechen mit 360 Betriebsräten vertreten. Als erster Verband der geplanten Einheitsgewerkschaft nimmt am 1. Mai die Gruppe Bergbau in Gelsenkirchen-Buer ihre Tätigkeit auf.

Ruhrindustrie unter britischer Kontrolle

Wegen Unterstützung des Nationalsozialismus verhaften die britischen Militärbehörden in Essen 44 Mitglieder des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats. Wenige Wochen später nehmen sie weitere 116 führende Vertreter des Bergbaus und der Eisen- und Stahlindustrie an der Ruhr ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zur NSDAP fest. Am 22. Dezember erfolgt die Beschlagnahme der Bergbaugesellschaften durch die britische Besatzungsmacht und die Übernahme der Verfügungsgewalt über die Schachtanlagen durch die im Juli 1945 gegründete »North German Coal Control«.

Rechtsgrundlage für die überraschende Aktion ist die alliierte Direktive Nr. 52 vom 20. September 1945, die u. a. eine Sperre und Kontrolle von deutschem Vermögen ermöglicht. Als die Briten am 20. August 1946 auch die Werke der Eisen- und Stahlindustrie des Reviers beschlagnahmen, sichern sie sich die völlige Befehlsgewalt über das Wirtschaftspotential des Ruhrgebiets.

Gleichzeitig soll die Beschlagnahme dokumentieren, dass es den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges mit der Zerschlagung der unternehmerischen Machtkonzentration im Deutschen Reich ernst ist.

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